Eckpunkte der Gemeindecaritas

Im folgenden sind die Eckpunkte für den Fachdienst „Gemeindecaritas“ abgebildet, wie sie auf Bundesebene vom Zentralrat des Deutschen Caritasverbandes im Jahr 2002 in Speyer festgelegt worden waren. Wir entscheiden uns bewusst für die Platzierung dieses Textes auf unserer Seite, weil es sich um ein wesentliches Grundsatzdokument für unsere Arbeit im Rahmen der Gemeindecaritas handelt. Somit wollen wir die Information auch hier zur Verfügung stellen

Der Inhalt des Eckpunktepapiers

Der Fachdienst Gemeindecaritas greift Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft auf und nimmt Mitverantwortung der Kirche für die Gestaltung des Lebensraumes der Menschen wahr. Die Eckpunkte Fachdienst Gemeindecaritas konkretisieren Ansprüche aus dem Leitbild und der Satzung des Deutschen Caritasverbandes. Sie orientieren sich an den Grundlagen des Fachbereichs wie den Standardaufgabenfeldern Gemeindecaritas für die diözesane Ebene und der Rahmenstellenbeschreibung Gemeindecaritas für örtliche Caritasverbände (beide 1995).

In diese Eckpunkte sind Erfahrungen aus dreißig Jahren Arbeit und laufende Prozesse im Fachbereich eingeflossen wie die Entwicklung von Qualitätskriterien Gemeindecaritas (seit 1999), die Beschreibung von Kernfunktionen und eine Kurzformel für den Fachdienst Gemeindecaritas (seit 2001); ferner Beiträge aus Kooperationen mit pastoralen Stellen (Bundesfachtagungen Gemeindecaritas 1996 und 2000).

Grundlagen

Diakonie - als Grundfunktion der Kirche - vollzieht sich als diakonische Praxis der Christen in den institutionalisierten Feldern beruflicher Caritas (wie zum Beispiel Krankenhäuser, Sozialstationen, Altenhilfe, Werkstätten für Behinderte, Kindergärten, ambulante Beratungsstellen) und in Aktivitäten gemeindlicher Caritas (Besuchsdienste, Nachbarschaftstreffen, Kleiderstuben, Sammlungen, internationale Solidaritätsaktionen und Ähnliches). Diakonie ist individuell, gesellschaftlich und politisch wirksam.

Im Unterschied zur beruflich geprägten verbandlichen Caritas wird die sozial-caritative Arbeit der Pfarrgemeinde - abgesehen von wenigen Beruflichen und einigen nebenamtlich Tätigen - überwiegend durch Ehrenamtliche/Freiwillige (einzelne, Gruppen und Gremien) geleistet. Die Unterstützung dieses freiwilligen/ehrenamtlichen Engagements der Pfarrgemeinde ist Auftrag aller örtlichen Caritasverbände, insofern der Verband "die Caritas der Pfarrgemeinde sowie die ehrenamtliche Mitarbeit ermöglichen, anregen und fördern" (2) soll. Der Fachdienst Gemeindecaritas löst diesen Satzungsauftrag ein und kooperiert darin mit pastoralen Diensten.

Begriff der „Gemeindecaritas“

Mit "Gemeinde" ist die örtliche Pfarrgemeinde gemeint, auch in Zugehörigkeit zu einer Seelsorgeeinheit oder einem Pfarrverband. Unter "Lebensraum", auch Sozialraum oder lokaler Raum genannt, wird das territoriale Lebensumfeld von Personen verstanden, also das Wohnquartier, der Bezirk der Kirchengemeinde, der Stadtteil. Pfarrgemeinden sind eingebunden in einen Lebensraum mit sozialer Infrastruktur und nachbarschaftlichen Netzwerken.

Ferner sind auch Personalgemeinden im Blick, gebildet von Personen in ähnlich gelagerten Lebenswelten (zum Beispiel Hochschulgemeinden, Gemeinden von Migranten, Klinikgemeinden) sowie andere Formen derzeitiger Gemeindebildungen (zum Beispiel Basisgemeinden, Event-Gemeinden). Gemeinden haben Anteil am kulturellen Wandel, der sich unter anderem in fortschreitender Individualisierung und Pluralisierung der Gesellschaft zeigt. Dies lässt für die Zukunft eine größere Vielfalt kirchlichen Lebens erwarten.

Die Caritasarbeit leitet ihren Auftrag und ihre Ermutigung von Jesus Christus und seiner Botschaft ab. Das Caritasgebot Jesu "Geh und handle ebenso" (Lk 10, 37) richtet sich an Einzelne, Gruppen und an die Pfarrgemeinde insgesamt. Mit "Caritas der Gemeinde" wird die Caritas einer Pfarrgemeinde als Ganze bezeichnet, deren Anliegen es ist, sich um ein mitmenschliches Zusammenleben und um konkrete Hilfe zu kümmern und so, beruflich oder ehrenamtlich, das Caritasgebot Jesu einzulösen. Von diakonischen Gemeinden geht ein Klima aus, eine Kultur der Caritas, die sich mit dem Gemeinsinn engagierter Bürger verbindet und lokale Lebensverhältnisse verbessert. "Gemeindecaritas" bezeichnet den Grund- und Fachdienst, der zur Caritas der Gemeinde und zur sozialen Gestaltung des Lebensraums motiviert, diese begleitet, mit beruflichen Diensten vernetzt und weiterentwickelt. Gemeindecaritas beschreibt die beruflich erbrachte Leistung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern örtlicher und diözesaner Caritasverbände sowie des Deutschen Caritasverbandes. Gemeindecaritas ist soziale Arbeit im verbandlichen und im pastoralen Feld.