Methode und Auftrag

Der Fachdienst Gemeindecaritas nutzt kirchengemeindliche, verbandliche und gesellschaftliche Strukturen. Er betreibt in der Regel Arbeit im sozialen Feld und geht dabei von einem systemischen und lebensweltlichen Ansatz aus. Im Einzelnen bedient er sich der Methoden der Gruppen- und Gemeinwesenarbeit, der Strategien des Empowerment, der Erkenntnisse der Engagementberatung zur Gewinnung von Ehrenamtlichen/Freiwilligen. Er orientiert sich an den Prinzipien der Katholischen Soziallehre und setzt sozial- und caritaswissenschaftliche Erkenntnisse um.

Bildungsangebote von Gemeindecaritas zur Qualifizierung von Ehrenamtlichen/Freiwilligen und Beruflichen arbeiten nach den Grundprinzipien einer erfahrungsbezogenen Erwachsenenbildung.

Gemeindecaritas als Fachdienst

Gemeindecaritas ist ein Fachdienst, der von seinem Auftrag her bei der verbandlichen Caritas verortet ist. Er versteht sich als Dienstleister (unter anderem als Berater, Moderator, Koordinator) und "Vemetzer" für Gemeinden, Einrichtungen und soziale Initiativen im Lebensraum. Der Fachdienst Gemeindecaritas steht allen Pfarrgemeinden, ehrenamtlichen Gruppen, Initiativen von Betroffenen, beruflichen Mitarbeitern aus Caritas und Pastoral sowie Institutionen offen.

Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Fachdienst Gemeindecaritas wird ein spezifisches Berufsprofil erwartet: Über entsprechende Ausbildungsabschlüsse (in der Regel Sozialarbeit/-pädagogik, Theologie, Diplompädagogik) hinaus werden Kenntnisse in Methoden der lebensweltlich orientierten sozialen Arbeit sowie in der Zusammenarbeit von Beruflichen mit Freiwilligen/Ehrenamtlichen erwartet. Ferner sind Grundkenntnisse aus Pastoraltheologie und Caritaswissenschaft erforderlich; Erfahrungen aus eigener ehrenamtlicher Tätigkeit, Kenntnisse kirchlicher Struktur und die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche werden vorausgesetzt.

Der Fachdienst Gemeindecaritas ist ein Grunddienst in allen Diözesen. Deshalb sollte ein solcher bei den Diözesan-Caritasverbänden möglichst mit 100 Prozent Stellenanteil eingerichtet sein. Gemeindecaritas auf der Ebene der Stadt-, Kreis- und Regional-Caritasverbände sollte als eigenständiger Fachdienst auf- und ausgebaut werden. Zur Finanzierung des Fachdienstes Gemeindecaritas sollten in den Diözesen verstärkt Kirchensteuermittel zur Verfügung gestellt werden.

Schlussbemerkung

Vor Ort realisiert sich Gemeindecaritas vielfach innerhalb kirchlicher Strukturen auf Gemeinde- und Dekanatsebene, die ihrerseits in lokale Netze wirken. Insofern haben innerkirchliche Entwicklungen, etwa die Zusammenlegung von mehreren Pfarrgemeinden zu Seelsorgeeinheiten im Kontext einer kooperativen Pastoral, Auswirkungen auf Gemeindecaritas. Hier müssen weitere Perspektiven zu einer aktualisierten Caritas der Gemeinde entwickelt werden. Zur Akzeptanz der Eckpunkte bedarf es besonderer Anstrengungen; diese sollten in exemplarischen Projekten bundesweit angegangen werden.

ZENTRALRAT DES DEUTSCHEN CARITASVERBANDES

Speyer, 15. Mai 2002